Jagd auf die Arche Noah

Der Berg Ararat in der Türkei gilt als einer der heißesten Kandidaten für den letzten Ruheplatz der Arche Noah. Auf Satellitenaufnahmen sieht man auf dem Berg eine schiffsförmige Formation und geht es nach Porcher Taylor, einem passionierten Archeforscher, handelt es sich dabei um das Schiff, in dem Noah seinerzeit der Sintflut entrann.

Die Meldung klingt seltsam vertraut und das aus gutem Grund. Die Formation an sich wurde schon vor Jahren entdeckt. Porcher Taylor hält die aktuellen Aufnahmen des sogenannten QuickBird-Satelliten trotzdem für eine neue und bedeutende Entwicklung. Seit nunmehr 13 Jahren ist er auf der Jagd nach der Arche, die aktuellen Aufnahmen sind in Auflösung und Detailtreue in der Tat bemerkenswert.

Zu erkennen ist ein etwas über 300 Meter langes Etwas, dass in seiner Form an ein Schiff erinnert. Das lange und dunkle Objekt befindet sich, halb angelehnt an einen Gletscher, in der nordwestlichen Ecke des Ararat auf fast 4700 Metern Höhe. Um was genau es sich handelt, lässt sich allerdings nicht genau sagen.

Der zugegeben etwas konservative Ansatz anderer Archäologen sieht in dem Objekt ganz schlicht und ergreifend eine Felsformation. Bill Crouse zum Beispiel, Präsident des Christlichen Informationsministeriums in Texas, leitete schon zwei Expeditionen in die südtürkische Bergwelt und er ist skeptisch. Der Presse gegenüber ließ er jedenfalls verlauten, dass rein vom Gefühl her, er es für ein natürliches Phänomen hält. Ausschließen möchte er es natürlich nicht. Es wäre schon fantastisch.

Die große Flut

Im ersten Buch Mose erzählt die Bibel die Geschichte von Noah dem Gerechten und der Sintflut. Darin fordert Gott Noah auf: "Von allen reinen Tieren nimm zu dir je sieben, das Männchen und sein Weibchen, von den unreinen Tieren aber je ein Paar, das Männchen und sein Weibchen. Desgleichen von den Vögeln unter dem Himmel je sieben, das Männchen und sein Weibchen, um das Leben zu erhalten auf dem ganzen Erdboden."

Noah tat wie ihm geheißen und sieben Tage später schickte Gott die große Flut. Die Tore des Himmels öffneten sich, alles Leben wurde vom Antlitz der Erde hinweggerafft. Einzig die Bewohner der Arche überlebten das Strafgericht.

Nun könnte man das als eine schöne Geschichte abtun, gäbe es da nicht vergleichbare Berichte aus anderen Quellen, selbst anderen Kulturen. Bekanntestes Beispiel dafür ist sicherlich das mesopotamische Gilgamesch-Epos. Die Übereinstimmungen sind verblüffend, sieht man einmal davon ab, das Noah dort Utnapischtim heißt.

Im Koran ist Noach (Nûh) ein Abgesandter Allahs. In seinem Namen bittet er die Menschen, auf den Pfad der Tugend zurück zu kehren, droht ihnen sogar. Als sie nicht auf ihn hören, ist es Noach, der vorschlägt, die Ungläubigen von der Erde hinweg zu fegen. So zumindest steht es in einundsiebzigsten Sure.

In der griechischen Mythologie heißt der Held Deukalion. Als Zeus sich das Treiben der Menschen nicht mehr länger mit anschauen mochte, schickte er eine gewaltige Flut und beendete so das sogenannte Goldene Zeitalter. Der gerechte Deukalion und seine Frau Pyrrha, so zumindest berichtet der Mythos, waren die einzigen Überlebenden Deukalische Flut.

Im weiteren Verlauf unterscheidet sich die griechische Variante der Sintflut-Saga etwas von der biblischen, trotzdem sind die Gemeinsamkeiten nicht zu übersehen. Der gerechte Retter überlebt, die verderbte Menschheit rafft es dahin. Man mag dagegen halten, dass ein göttliches Strafgericht zu einer vernünftigen Mythologie bzw. Religion dazu gehört, überzeugend ist das jedoch nicht. Immer mehr setzt sich deshalb die Lehrmeinung durch, dass es so etwas wie die große Flut tatsächlich gegeben haben muss.

Am falschen Ort?

In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten gab es zahlreiche Expeditionen in das Gebiet. Beweise fand man nicht. Eine - immerhin recht plausible - Theorie vermutet, dass die Überreste der Arche die meiste Zeit unter dem Eis verborgen sind und nur in besonders warmen Sommern zum Vorschein kommen. Immerhin gibt es auffällig viele Berichte aus dem Gebiet und die gehen zurück bis ins 19. Jahrhundert.

Die Lokalisierung der Arche auf dem Ararat hat eine lange Tradition, ein interessanter Einwand kommt jedoch von eingangs erwähntem Bill Crouse. Er ist der Ansicht, dass der heutzutage mit Ararat bezeichnete Berg, seinen Namen eigentlich erst im 12. Jahrhundert bekam. Demnach hätte sich jemand einen schweren Patzer geleistet und die ganze Zuweisung wäre von vornherein falsch.

Die Bibel sagt, die Arche "landete" in den Ararat Bergen, im Sinne eines Gebirgszuges also. Den eigentlichen Landeplatz vermutet er rund 320 Kilometer weiter südlich in Gestalt des Chudi Dagh. Der Berg überragt die mesopotamische Tiefebene und wäre in der Tat ein perfekter Kandidat, Spuren fanden sich aber auch hier nicht. Dabei gibt es zur Arche sogar recht moderne Referenzen, zum Beispiel in der Gestalt des antiken Historikers Flavius Josephus.

Stehen wir also wieder ganz am Anfang? Nicht wirklich. Laut eigener Aussage will Archeforscher Porcher Taylor in der Hauptsache das Mysterium des Berges Ararat klären. Dazu zapft er alle verfügbaren Quellen an, versucht zum Beispiel Zugang an bisher unter Verschluss gehaltenen Satellitenaufnahmen amerikanischer Aufklärungssatelliten zu bekommen. Was am Ende herauskommt, ist nach wie vor offen.

Der weltweite Rückgang der Gletscher hat bekanntlich schon einige Überraschungen zutage gefördert. Das ist insgesamt zwar eine relativ unerfreuliche Entwicklung, so manchen Archäologen freut es trotzdem. Bleibt zu hoffen, dass das Thema Arche nicht aktueller wird, als uns lieb sein kann. Bei den aktuellen Klimaprognosen kann einem gelegentlich schon einmal Angst und Bange werden.

 

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