Schicksalhaftes Pompeji

Jüngste Grabungen enthüllen, Pompeji war nicht die erste Siedlung, die an besagter Stelle von einer Katastrophe dahingerafft wurde.

Etwa zwei Meter unter dem antik-römischen Pompeji fanden Archäologen von der Universität Stockholm Spuren mehrerer Vorgängersiedlungen. In zumindest einem Fall gilt als sicher, dass auch sie durch einen schweren Vulkanausbruch zerstört wurde. Dem Ort scheint einfach kein Glück beschieden gewesen zu sein.

Pompeji schon in der Steinzeit

Die älteste Siedlungsschicht scheint nach den neuesten Erkenntnissen aus der Steinzeit zu stammen. Die Datierung ergab ein Alter von immerhin 3500 Jahren. Die Überreste waren unter einer dicken Ascheschicht verborgen, man muss davon ausgehen, dass auch diese Siedlung ein Opfer des Vesuv wurde.

Die perfekte Lage hat offenbar immer wieder Siedler angelockt. Oberhalb der ältesten Ascheschicht fanden die Ausgräber unter anderem zahlreiche Scherben, die eindeutig aus der Bronzezeit stammen.

Die weitere Spurensuche gestaltet sich leider schwierig. Die Vorgängersiedlungen liegen ziemlich genau unter dem antik-römisch Pompeji. Die aktuellen Funde verdanken die Archäologen entsprechend eher einem Zufall. Sie waren dabei, einen Brunnen von Bimsstein zu befreien, als sie auf die bronze- und steinzeitlichen Siedlungsreste stießen. Um weiter zu machen, müssen sie unter den antiken Straßenbelag vorstoßen. Das ist in mehrfacher Hinsicht eine Herausforderung.

Einmalige Momentaufnahme

Pompeji gilt Archäologen als einer dieser seltenen Glücksfälle, wo eine Naturkatastrophe einen Ort nicht nur vollständig ausgelöscht hat, sondern ihn gleichzeitig auch perfekt konservierte. Bekannt sind vor allem die Fresken aus den Villen römischer Adliger, doch erschöpft sich das Potenzial der Grabung hier nicht. Wir können eine Menge über das Alltagsleben in einer römischen Stadt lernen, konserviert durch die Asche sind selbst die Leichen der Bewohner in einem bemerkenswert guten Zustand. Es ist geradezu eine Momentaufnahme aus dem ersten Jahrhundert nach Christus.

Bemerkenswert in diesem Falle ist auch, dass wir einen schriftlichen Bericht über die Katastrophe haben. Plinius der Jüngere beschrieb den Ausbruch in zwei Briefen an den Historiker Tacitus. Diesem einzigartigen Bericht verdanken besonders explosive Vulkanausbruche mit enormen Aschefällen ihren heutigen Fachnamen: Plinianisch. Sein Onkel fand bei diesem Ausbruch übrigens den Tod.

"Man hörte Frauen klagen, Kinder weinen, Männer schreien. Manche hatten solche Angst vor dem Tod, dass ihn beteten, er möge sie endlich ereilen. Viele erhoben ihre Hände zu den Göttern, noch mehr allerdings glaubten, die Götter hätten aufgehört zu existieren und dies sei der Beginn ewiger Dunkelheit."

Der längste Tag

Am 24. August 79 nach Christus läuteten für Pompeji die Glocken des Jüngsten Gerichts. Neunzehn Stunden lang brach die Apokalypse herein über die einst stolze Stadt, dann plötzlich war Ruhe. Pompeji hatte aufgehört zu existieren, für die nächsten 1700 Jahre senkte sich Stille über den Platz.

Der Ausbruch kam nicht überraschend, viele hatten allerdings die Warnungen, die unmissverständlichen Zeichen in den Wind geschlagen. Zu oft schon hatte der Berg Asche gespuckt und drohend gebrüllt. Niemand ahnte, dass der große Ausbruch bevorstand.

Gegen Mittag stieß der Vesuv unter furchteinflößendem Getöse eine gewaltige Aschwolke aus, Flammen schlugen aus dem Berg. Feiner Ascheregen ging auf die Region nieder, urplötzlich senkte sich Dunkelheit über die Stadt. Auch dem Letzten wurde klar, dass diesmal alles anders sein würde.

Panik machte sich breit, Menschen versuchten zu fliehen. Es war zu spät. Glühende Lavabrocken gingen auf die Stadt nieder, heiße Asche nahm den Menschen den Atem, trieb sie in die Häuser. Viele starben in den Trümmern, als die Dächer unter dem Bombardement aus Bimsstein und riesigen Felsbrocken nachgaben.

Das Schlimmste stand ihnen trotzdem erst noch bevor. Gegen Abend kam ein starker Wind auf, doch brachte er keine Abkühlung denen, die da noch lebten. Mit dem Wind kamen glühende Asche, Hitze und giftige Dämpfe. Niemand entkam diesem Inferno. Eine ganze Region war ausgelöscht. Mit Pompeji wurden auch Herculaneum, Stabiae, Oplontis, Leucopaetra, Taurania, Tora, Cossa und Sora vollständig zerstört.

Provinziale Pracht

Unter einer meterhohen Ascheschicht verborgen ruhte die einst reiche Handelsstadt bis zum Jahre 1748, als Archäologen mit Spaten und dem Bericht des Plinius bewaffnet, begannen in der Region zu graben. Was sie fanden gilt bis heute als einer der größten archäologischen Entdeckungen aller Zeiten.

Rund 20.000 Menschen lebten hier zum Zeitpunkt der Katastrophe, die Hälfte von ihnen Kinder. Vermögende Römer wohnten Tür an Tür mit Griechen, Etruskern und Einwanderern aus Nordafrika ein beschauliches, vielleicht sogar ein wenig dekadentes Leben. Man zeigt seinen Reichtum, die Villen von Pompeji waren berühmt für ihre Pracht. Raffinierte Lustgärten, einmalige Mosaiken, farbenprächtige Wandmalereien, man sparte an nichts.

Die Stadt hatte ein ausgefeiltes System zur Wasserversorgung - sicherlich auch dringend notwendig bei den zahllosen Springbrunnen - viele Häuser hatten sogar moderne Heizungen. Die Ausgrabungen zeigen immer wieder, wie fortgeschritten römische Kunst, Kultur und Wissenschaft war.

In zahlreichen Ausstellungen und Publikationen präsentieren uns praktisch seit der Entdeckung der Stadt Archäologen und Historiker ein lebendiges Bild antiker Wirklichkeit in der römischen Provinz. Auch dem letzten Zweifler wird klar, warum Rom die dominierende Kraft im antiken Mittelmeerraum war: Die Römer verstanden zu leben.

 

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